Konzepte&Beratung

„SchauspielHAUS Die Möwe“ im Kulturhaus Weißensee

Berliner Morgenpost vom 14.02.13, Bernd Wähner: Der Vertrag ruht. Am Zustand des Kulturhauses "Peter Edel" wird sich so bald nichts ändern

Seit Januar 2008 hatte die berliner schule für schauspiel als zukünftiger Betreiber des Kulturhauses Peter Edel im OT Weißensee mit dem Immobilienservice des Bezirksamtes Pankow Verhandlungen zum Abschluss eines Erbbaupachtvertrages auf der Basis des BVV-Beschlusses VI-0717 durchgeführt. Aufgrund von Haushaltskürzungen zur Schließung des Kulturhauses gezwungen, hatte der Bezirk 2007 in einem Interessenbekundungsverfahren einen neuen Betreiber gesucht.

Ausbildungsbetrieb und Veranstaltungsort im Berliner Nordosten

Die berliner schule für schauspiel konnte in einem zweiten Auswahlverfahren mit einem Konzept überzeugen, das neben dem Ausbildungsbetrieb jährlich rund 150 öffentliche Angebote und Veranstaltungen für die Bevölkerung vor Ort umfasste. Das zweistöckige Gebäude an der Berliner Allee hat ca. 1.800 m² Nutzfläche und ist aufgrund der zwei Bühnen im großen und kleinen Saal sowie der räumlichen Infrastruktur für eine Mehrfachnutzung als Ausbildungsstätte und Veranstaltungsort im Berliner Nordosten bestens geeignet. Unter dem neuen Namen „schauspielHAUS Die Möwe“ und in Fortentwicklung der bisherigen Praxis am alten Ort beinhaltete das kulturelle Nutzungskonzept die Entwicklung einer international agierenden Spielstätte mit Festivals, Workshops, einem Studiokino sowie einer öffentlichen Gastronomie.

Entwicklung des Nutzungskonzeptes

Aufgrund meiner Tätigkeit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Projektentwicklung an der berliner schule für schauspiel war ich bis Ende 2009 maßgeblich am zweiten Auswahlverfahren, an der Entwicklung des Nutzungskonzeptes, den folgenden Verhandlungen und der Antragstellung für Fördermittel beteiligt. Für die Aufstellung der Kosten- und Finanzierungspläne sowie die Projektsteuerung und -umsetzung konnten wir die Gesellschaft für StadtEntwicklung gGmbH und die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin (SPI), Geschäftsbereich Stadtentwicklung, als kompetente Partner gewinnen. Für die Bauplanung und -durchführung arbeiteten wir mit dem Büro Dipl.-Ing. (FH) Ingolf Noack und dem Architekten Martin Strauß zusammen, die schon für das neue Hans-Otto-Theater in Potsdam sowie den Umbau der Stadtkirche Neubrandenburg verantwortlich zeichneten.

Zeugnis der Geschichte

Mit der Sanierung des denkmalgeschützten Theatersaals und seiner Weiternutzung als Aufführungsort sollte ein Stück kulturelles Erbe als räumliches und sinnlich wahrnehmbares Zeugnis der Geschichte dauerhaft erhalten bleiben. Rückblickend war das gesamte Areal um den „Weißen See“ seit Ende des 19. Jahrhunderts immer auch Vergnügungsstätte mit „Welt-Etablissement“, Tanzsälen, Rutschbahnen, Ballonfahrten, Karussells, Würfelbuden und verschiedene Bierlokalen. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts betrieb die Brauerei „Kindl“ zeitweise eine Gaststätte im Weißenseer „Volkshaus“. Vor rund 20 Jahren wurde das „Volkshaus Berlin-Weißensee“ nach dem 1983 verstorbenen Schriftsteller, Zeichner und Feuilletonisten Peter Edel benannt. Seitdem hatte das Kulturhaus mit seinen gemischten Angeboten von leichter Muse und ernstem Genre für seine Besucher ebenso eine identitätsstiftende Funktion ausgeübt.

Belebung des kulturellen Profils

Hier knüpfte das kulturelle Nutzungskonzept für das Kulturhaus an, denn die Identifikation der Menschen mit ihrem Ort ist wichtiger Bestandteil von Lebensqualität. An der Grenze zum Sanierungsgebiet des Komponistenviertels gelegen, dessen Bevölkerungsstruktur sich in den letzten Jahren durch Zuzug von Familien stark verändert hatte, sollte das „schauspielHAUS Die Möwe“ zur wünschenswerten Belebung und zur Schärfung des kulturellen Profils des Ortsteils beitragen.

Die funktionsgerechten Umbauten sollte zu 90 % mit Fördermittel aus dem Programm Gemeinschaftsaufgabe „Aufschwung Ost – Öffentliche Infrastruktur" (GA-Mittel) der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen von Berlin bezuschusst werden. Die berliner schule für schauspiel hatte sich mit dem Modell von Schauspielausbildung und berufspraktischem Einsatzort für Bühnenberufe erfolgreich für das Programm beworben.

weitere Informationen